So sagt mancher Zeitgenosse. „Das muss jeder selber wissen.“ Ja, das stimmt. Glaube ist tatsächlich sehr persönlich. Aber er ist niemals nur Privatsache. Denn jeder lebt das, was er glaubt – d.h., dass sich das in seinem Lebensstil auswirkt, was man für wahr hält und wem oder was man folgt.

Eine Kernaussage des Neuen Testamentes findet sich in Joh. 3,16. Dort heißt es: So sehr hat Gott die Welt geliebt (also jeden einzelnen Menschen), dass er seinen eigenen Sohn gegeben hat, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben.

Für Christen macht sich u.a. an dieser Bibelstelle fest, dass Gott jeden Menschen gleich liebt und daher jeder Mensch vor Gott den selben Wert hat. Für uns in unserer westlichen Kultur, die sich an den Menschenrechten orientiert (die übrigens christliche Wurzeln haben), scheint das ein selbstverständlicher Wert zu sein.

Lebt man dagegen als Christ beispielsweise in Indien, so ist das anders. In Indien gibt es eine jahrtausende alte hinduistische Tradition, die die Gesellschaft prägt: Das Kastensystem. D.h., das ein Mensch in eine Kaste hineingeboren ist und sich anhand dieser Kaste der Wert dieses Menschen misst. Das geht von Null (die „Unberührbaren“) bis Hundert („die Bramahnen“).

Wird dort das Evangelium von Jesus verkündet, hören die „Nullen“ – von denen es sehr viele gibt – dass sie in Gottes Augen wertvoll sind. Aber die „Hunderter“ sehen dadurch ihre Vormachtstellung gefährdet, wenn bei den Christen eine Null mit ihnen auf Augenhöhe sein soll. Also werden Christen bekämpft. Die schlichte Wahrheit zu leben, dass vor Gott alle Menschen gleich sind, gefährdet das gesamte System.

Der Glaube, der gelebt wird, ist persönlich. Aber wir leben Werte, die prägen und eine Gesellschaft verändern können. Wir sind als Christen herausgefordert, dass man an unserem Tun etwas von der biblischen Botschaft der Liebe Gottes zu den Menschen sehen kann. Es wird nie allen gefallen, aber wir sind es denen schuldig, die Hunger nach dieser Liebe haben.

Autor: André Wilkes